07.12.2020

Zuckerbäckerei Hennef

Von nora

Als ich den Laden betrete, begrüßt mich als erstes Cleopatra mit freudigem Bellen. Der Laden ist das zweite Zuhause der kleinen Dackeldame, die eigentlich immer nur Cleo gerufen wird. In einem Eckchen hat sie ihren Platz in einem kleinen Tipi. Katrin ist noch nicht da. Dafür aber ihre Freundin und Angestellte Barbara, die schon fleißig frische Cupcakes backt. Ich freue mich sehr, dass ich heute hier sein kann und während Barbara mir einen leckeren Latte Macchiato macht, nutze ich die Zeit schon mal für das ein oder andere Foto.

Förmchen für das frische Gebäck

Ich liebe diesen Laden. Und obwohl gerade alles etwas anders aussieht, da das Café geschlossen hat und alles auf Außer-Haus-Verkauf ausgerichtet ist, hat der Laden nichts von seinem Charme verloren. Überall hängen kleine Lebkuchen-Stiefel und man findet allerhand weihnachtliches Gebäck. Auf den Tischen steht das ein oder andere Tablett mit vorbereiteten Leckereien und alles ist etwas zusammengerückt.

Lebkuchen zum Aufhängen – vielleicht auch was für den Weihnachtsbaum?

Alles passt in diesem Laden. Der hohe Altbau mit seinen Stuckdecken und Kronleuchtern gibt dem Laden die perfekte Bühne für seine Vintage-Möbel, das entzückende Sammelsurium an Geschirr und die vielen bunt-rosa Backbücher.

Katrin und Cleo

Katrin Evers ist die Inhaberin des Ladens, den sie jetzt seit 6 Jahren führt. Als sie den Laden betritt, habe ich das Gefühl einer Frau gegenüber zu sitzen, die genau weiß, was sie will und dort auch schon angekommen ist. Sie hat schon viel gemacht und gesehen und mit ihrer Freundin Barbara auch für Hochzeitsmessen gearbeitet und große Aufträge abgearbeitet. Größer, Höher, Weiter muss es jetzt nicht mehr sein. Der kleine Laden in Hennef, die Zuckerbäckerei, ist genau das was Katrin machen möchte.

links Barbara, rechts Katrin

„Wenn man das dann eigenständig macht, kann man nur noch machen, was man schön findet.“

Die gelernte Konditorin kommt eigentlich aus Schleswig-Holstein und ist durch Zufall in ihrem jetztigen Beruf gelandet. Mit ihrem Laden will sie einen kleinen Wohlfühl-Ort schaffen. Mit ihrem persönlichen und gemütlichen Café schließt sie eine Lücke in Hennef und bietet einen Ort, der mit seinem Charme nicht nur für den Brunch mit Freunden, sondern auch zum Feiern besonderer Anlässe einlädt.

Katrin weiß noch genau, mit welchem Geschirr sie angefangen haben und welches das Geschirr ihrer eigenen Oma ist. Sie erzählt, dass auch viele Kunden das ein oder andere vorbei gebracht hätten und sie sich bei den meisten Sachen daran erinnern kann, woher es kam. Ich habe das Gefühl alles in diesem Laden hat seine eigene kleine Geschichte und es kommt mir so vor, als würden die Geschichten der Menschen weiterleben. Alles wird irgendwie weiter benutzt und bekommt ein zweites Leben und jeder Teller, jede Tasse hat etwas zu erzählen.

Geschirr wie bei Alice im Wunderland

Warum der Laden Zuckerbäckerei heißt, frage ich. Katrin erzählt, dass Zuckerbäcker die alte Bezeichnung für den Beruf des Konditoren ist und dass das einfach passend war für das was hier gebacken würde, schließlich backen sie hier kein Brot, sondern süße Leckereien.

„Für mich war das genau die Bezeichnung für das, was man hier erwartet. (…) Weil hier alles irgendwie süß ist und klein und rosa.“

„Und was ist eigentlich mit Bio und Nachhaltigkeit?“, frage ich. „Nachhaltiges Handeln ist eine generelle Haltung, die wir haben,“ erzählt Katrin. „Wir bemühen uns Dinge unverpackt zu kaufen und soweit es geht regional einzukaufen.“. Sie sagt regional sei für sie das wahre Bio, denn es bringe ja nichts Mehl zu kaufen, das am Ende von sonst woher käme. „Es ist immer Abwägungssache – das sei die Kunst!“, sagt sie.

Natürlich unterhalten wir uns auch über die Schwierigkeiten in Zeiten von Corona und den Lock-Down. Der erste Lock-Down habe sie ganz unerwartet getroffen und sie seien einfach nicht vorbereitet gewesen. Der staatliche Zuschuss habe geholfen für einen Monat, aber ihr war sofort klar, dass sie handeln musste, um ihren Laden aufrecht zu erhalten. Jetzt arbeite sie nebenbei noch in einer Bäckerei, sagt sie und auf den zweiten Lock-Down waren sie dann auch besser vorbereitet mit Take away also Außer-Haus-Verkauf. Ich bin beeindruckt von dieser Frau, die so gestanden durchs Leben geht und alles stämmt ohne Rücklagen und trotz Corona. Sie sagt, dass es schon ein hartes Geschäft ist, auch wenn es wirkt wie ein Klein-Mädchen-Traum mit all dem Rosa. Trotzdem liebt sie, was sie tut. Es kommt mir irgendwie vor als sei sie angekommen, wie man so schön sagt. Auch wenn es nicht immer leicht ist, scheint es die Arbeit wert zu sein und wenn ich mich umschaue, sehe ich die Liebe zum Detail in jedem Ding.

Bevor ich gehe, packt Katrin mir noch eine kleine Box mit allerhand Naschereien ein für mich und meine Familie. Ich bin begeistert und habe das Gefühl mit mehr als nur ein paar Cupkakes nach Hause zu gehen. Das Gespräch gibt mir Kraft als junge Selbstständige. Seinen Traum zu leben bedeutet mehr als Seifenblasen. Es bedeutet Arbeit, Kompromisse und Durchhaltevermögen und wenn man stark ist, kann man bestehen. Ich bin dankbar für all die starken Frauen dort draußen, die ihr Business führen und so ein Vorbild sind für alle, die sich das auch wünschen.

Als Fotografin bin ich glücklich all diese Geschichten sichtbar machen zu können und Menschen, die mich beeindrucken mit meiner eigenen Arbeit zu unterstützen.

Ihr wollt auch mal bei der Zuckerbäckerei vorbei schauen oder möchtet gern ein paar Leckereien für die Festtage bestellen? Die Zuckerbäckerei findet ihr in Hennef in der Lindenstraße 14, oder ruft einfach an unter: 02242 9354518.

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