Als ich Lukas Yiannakis, einen der Geschäftsführer vom Restaurant Casbah in Siegburg anrufe, habe ich einen Mann am Telefon, der bodenständig und ruhig wirkt. „Ich bin nachhaltige Fotografin aus Hennef“, sage ich und frage, ob er Lust habe auf ein Interview über die Hintergründe des Unternehmens und die Schwierigkeiten während der Corona-Pandemie für die Restaurant-Branche. „Klar.“, sagt er und ich bin überrascht wie entspannt und unkompliziert wir einen Temin für die darauffolgende Woche ausmachen.

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Als ich an einem kühlen Donnerstagmorgen Siegburg erreiche, wirkt alles etwas skuril in der sonst so florierenden Innenstadt. Der Marktplatz ist mit Baustellengittern versperrt und es sind wenig Menschen auf den Straßen. Dort, wo sich die Menschen sonst im beginnenden Frühling schon an die Außentische der Cafés und Restaurants wagen, herrscht nun eine etwas traurige Leere.

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Als ich das Restaurant Casbah erreiche, wartet Lukas schon auf mich. Er ist noch im Gespräch, während er mir einladend die Tür öffnet. Es gebe immer etwas zu tun, sagt er, auch während der Pandemie. Es ist komisch das Restaurant, dass sonst immer so gut wie ausgebucht ist, so leer zu sehen. Alle Stühle sind aufgestapelt und der obere Bereich der Theke ist mit Folie abgedeckt. Alles ist etwas staubig von den Renovierungsarbeiten, die während des Lockdowns durchgeführt werden. Es ist kalt und wir beschließen das Interview lieber im Büro zu führen. Das Büro im oberen Stockwerk ist geräumig und schön warm und wir setzen uns an einen großen Tisch und irgendwie fühlt es sich ein bisschen exklusiv an, diese Räumlichkeiten zu betreten, die man als Restaurantgast nie zu Gesicht bekommt. Ich setze mich auf eine weiche gemusterte Bank und wir kommen ganz ungezwungen sofort ins Gespräch.

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Das Konzept des Casbah sei eine Mischung aus Club, Bar und Restaurant, erzählt Lukas. Und eigentlich gebe es das Casbah in seiner ursprünglichen Form schon seit ca. 21 Jahren. Anfangs war es ein kleiner Club im Keller, direkt neben dem jetzigen Restaurant. Ich erinnere mich noch an die orientalisch anmutende Einrichtung und die Rundbögen. Lukas erzählt, dass der Name des Restaurantes aus dem Marokkanischen stammt: Als Casbah bezeichnet man eine Burg oder Festungsanlage, welches auch Aufenthaltsort des Königs bei Besuchen in der Stadt war. Königlichen Service erhält man auch im Restaurant Casbah, in dem das Personal immer freundlich und vor allem mit dem Essen fix ist – lange warten muss man nie. Seit 11 Jahren gehört das Casbah nun den drei Freunden Lukas Yiannakis, Mario Parisi, und Tim Pöttgen. Sie seien nun seit 30 Jahren befreundet, erzählt Lukas.

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„Wir haben alle unser Geld zusammengekratzt […] und dann hat es zum Glück von Anfang an funktioniert.“

Von einer kleinen Bar im Keller, ist das Casbah mittlerweile zu einem florierenden Restaurant im Erdgeschoss auf ca. 200 qm avanciert.
Als Mario, einer der Geschäftsführer, dann angefangen hat sich vegan zu ernähren, war klar, dass das auch mit ins Konzept aufgenommen werden sollte. Wir unterhalten uns über vegetarische und vegane Ernärung und Lukas erklärt wie unkompliziert es ist vegane Gerichte anzubieten, da es einfach so unendlich viele Zutaten gebe, die nicht tierischen Ursprungs sind. „Ich bereite mir ein Gericht zu aus unendlich vielen Zutaten […], und wenn der Fleischesser jetzt ein Gericht auf den Tisch bekommen würde und es würde nicht vegan heißen, würde er einfach sagen mega lecker!“, sagt Lukas. Sie wollten ein Restaurant in der jeder Essen kann – auch mit Glutenallergie. Trotzdem war immer klar, dass sie keine Ernährungsform ausschließen wollten. Und so ist das Casbah ein Ort der Begegnung.

„Es führt dazu, dass ganze Generationen bei uns am Tisch sitzen, weil die Oma sagt, dass sie mit vegan nichts anfangen kann, der Enkel sich aber vegan ernährt.“

Durch das breit gefächerte kulinarische Angebot, entsteht eine Brücke, die einen ungezwungen die andere Seite betreten lässt, sodass man am Ende vielleicht feststellt, dass vegetarisch oder vegan echt ziemlich lecker sein kann.

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Wie die Freunde sich kennengelernt haben, frage ich. Lukas erzählt, dass sie damals im gleichen Sportverein in Siegburg gewesen seien: Im SSV04, einem Jugend-Fußball-Verein. Bis heute fördern die drei Siegburger Jugend-Fußball-Vereine, beispielsweise mit Trikotspenden. „Wenn man Jugendsport unterstützt, sorgt man auch dafür, dass die Kinder von der Straße runter kommen, und soziales Verhalten wird durch die Vereine gefördert“, sagt Lukas. Mittlerweile haben sie die meisten Jugend-Fußballvereine aus Siegburg unterstützt. Überhaupt engagieren sich die Unternehmer umfassend in ihrer Region. Lukas erzählt neben der Verkürzung der Lieferwege, ginge es auch darum die eigene Region zu stärken und sich unternehmerisch gegenseitig zu stützen. Auf der Homepage des Casbah gibt es sogar eine eigene Rubrik „Partner“, auf welcher man Infos findet zu den Unternehmen, mit denen das Casbah zusammenarbeitet. Ich erinnere mich, dass ich schon vor Jahren begeistert davon war, wie sehr die drei sich in Siegburg vernetzen. Es ist toll welche Kräfte entstehen, wenn Unternehmer sich zusammentun und gemeinsam an einem Strang ziehen. Besonders in den anonymen Zeiten des Internets, ist es schön, endlich wieder persönliche Kontakte zu knüpfen und sich von Angesicht zu Angesicht begegnen zu können.

Ich frage, ob es etwas positives an der Pandemie gebe. Lukas erzählt von dem Zusammenhalt, der durch die Corona-Krise sichtbar wird. Es seien viele Gutscheine gekauft worden und als sie Bestellungen angeboten hätten, sei auch das sehr gut angenommen worden. Die drei Unternehmer haben so lange wie möglich versucht das Casbah offen zu halten, um das Team und die Angestellten nicht auch in eine schwierige Situation bringen zu müssen. Trotzdem mussten sie irgendwann stoppen und die Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken.

„Es ist schön zu sehen, wievielen Menschen wir eigentlich wichtig sind“

„Was wünscht du dir für die Zukunft?“, frage ich. „Ich wünsche mir, dass wir wieder zur Normalität zurück kehren können und man auch mal wieder jemanden in den Arm nehmen kann.“ „Ja“, denke ich. „Das wünsche ich mir auch.“

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